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800 Jahre Franz von Assisi: Italien-Reise mit den Franzikusschwestern Vierzehnheiligen:Schatz-Suche

Assisi-Fahrt
Datum:
Veröffentlicht: 4.5.26
Von:
Ulrike Schwerdtfeger / Heinrichsblatt

Hin und wieder tut es gut, sich anzulehnen. Die Bäume in  Franziskus’ Wald laden dazu ein: Majestätisch bauen sie sich vor dem Besucher auf, der zum Heiligtum La Verna unterwegs ist. Der bedeutende Franziskus-Wallfahrtsort hoch oben auf dem Monte Penna in der Toskana ist ein beliebtes Ziel unter Pilgern. 

Die riesigen Bäume strahlen Frieden aus – der Franz von Assisi so wichtig war. Der Wald hier oben ist Heimat für so viele Tiere: Franziskus liebte die Schöpfung. Was hätte er uns zu sagen? Wie würde er mit den Problemen unserer heutigen Welt umgehen? Fragen, die widerhallen zwischen den Bäumen von La Verna. An diesem Ort mit seiner ganz eigenen Atmosphäre soll der Heilige 1224 die Wundmale Christi empfangen haben.

Anlässlich des 800. Todestages des berühmten Heiligen (1181/82 - 1226) hat sich eine Reisegruppe unter der Leitung von Schwester Claudia Hink und Schwester Katharina Horn von den Franziskusschwestern Vierzehnheiligen samt Weg- und Unterstützergemeinschaft aufgemacht, um sich anrühren zu lassen: von Franziskus selbst, von seiner Botschaft und von dem, was ihn in seiner Zeit beschäftigt hat, wofür er sich eingesetzt und was er gelebt hat. In La Verna trifft die Gruppe auf Schwester Angela Tauchen. Sie ist missionarische Klarissin mit braunem Ordensgewand und stammt aus der Nähe von Kulmbach. Seit mehr als zehn Jahren lebt die 59-Jährige auf La Verna und begeistert die Menschen (einmal mehr) für Franziskus.

Strahlen und Begeisterung
Bei einer Führung durch Teile des Klosters auf knapp 1300 Meter Höhe gibt sie Zeugnis von ihrem Glauben und ihrer Überzeugung. Wer sie erlebt, sieht ihr Strahlen und spürt ihre Begeisterung. Gott habe einen Plan für jeden Menschen, ist sie sicher: „Er sorgt dafür, dass es immer weiter geht“, so Schwester Angela. Auch Franziskus sei auf der Suche nach dem Plan Gottes gewesen, habe sich auf „Schatz-Suche“ begeben, fährt sie fort. Denn es gehe darum, sich beschenken zu lassen. Durch Franziskus habe Gott die Welt verändert, erklärt die Ordensfrau. In La Verna habe auch sie großes Vertrauen zu Gott gefunden. „Hier passiert viel Gutes“, ist sie überzeugt. In Siena war die Gruppe auf den Spuren der heiligen Katharina unterwegs. „Auch Franziskus war häufiger in Siena, zuletzt kurz vor seinem Tod“, weiß Schwester Katharina Horn. Sie ist zuständig für die geistlichen Impulse während der Reise: Die heilige Katharina sei eine starke und mutige Frau gewesen, betont sie. „Ihre Religiosität faszinierte die Menschen.“ In einer von Machtkämpfen geprägten Zeit habe ihr die Reform der Kirche am Herzen gelegen. „Sie konnte in Städtekriegen vermitteln“, weiß Schwester Katharina. In der Geschichte der Kirche nehme sie eine besondere Rolle ein: „Als Frau wurde sie zur Ratgeberin von Päpsten.“ 1970 wurde die heilige Katharina zur Kirchenlehrerin erhoben.

Geliebt und getragen
„Die großen Heiligen haben ihre Lebenswandlung durchgehalten, weil sie sich von Gott geliebt und getragen gefühlt haben“, betont Frater Thomas Väth OH von den Barmherzigen Brüdern aus München, priesterlicher Begleiter auf der Reise. „So näherte sich auch Franziskus immer mehr dem, was sein Leben war“, erläutert Schwester Katharina. Denn obwohl auch er als junger Mann Träume hatte und ursprünglich Ritter werden wollte, spürte er bald, dass andere Themen ihn herausforderten: wie etwa die für seine Entwickung nachhaltige Begegnung mit einem Leprakranken. „Was ihm vorher bitter und unangenehm war“, so Schwester Katharina, „half ihm, in jedem Menschen den Nächsten zu sehen.“ Um zu sich selbst und immer mehr auch zu Gott zu finden, soll Franziskus regelmäßig die Stille und das Gebet gesucht haben.  Zum Beispiel auf der Insel Maggiore im Trasimenischen See in Umbrien. Ein Ort, der mit seiner Schönheit und Ursprünglich- keit besticht. Unter anderem soll sich der heilige Franziskus eine ganze Fastenzeit lang hier aufgehalten haben. Ein Franziskaner-Pater begleitet die Gruppe auch heute: Bruder Josef Gibus OFM aus Sinalunga in der Toskana. Zwischen 2018 und 2024 war er im Seelsorgebereich Obermain-Jura des Erzbistums Bamberg tätig. „Die Insel hat etwas Magisches“, findet Reise-Teilnehmerin Josefine Stöcklein aus Hallstadt: „Ich wusste gar nicht mehr, wie gut mir Stille und Natur tun. Beides gibt mir Kraft. Das will ich mir künftig wieder mehr gönnen.“ 

Aktueller Heiliger

Franziskus ist aktuell und scheint es zu bleiben. Er ist alles andere als ein verstaubter Heiliger und schafft es, etwa fünf Millionen Menschen pro Jahr in seine Heimatstadt Assisi im Herzen Umbriens zu holen – 800 Jahre nach seinem Tod, im Jubiläumsjahr 2026, dürften es sicherlich noch mehr werden. Menschen jeden Alters und vieler Nationen begegnen einem in den Gassen der „Stadt des Friedens“, wie Assisi auch genannt wird. Es ist der zentrale Ort franziskanischer Spiritualität, in dem auch die heilige Klara (1193/94 - 1253) gelebt und gewirkt hat: Mit  Franziskus’ Hilfe verfasste sie 1247 als erste Frau eine eigene Ordensregel und gründete den so genannten „Zweiten Orden“ der Franziskaner, die Klarissen.
Bereits zwei Jahre nach  Franziskus’ Tod im Jahr 1226 war mit dem Bau der Basilika San Francesco begonnen worden. „Schon zu Lebzeiten sah man in Franziskus einen Heiligen, einen Menschen, von dem man lernen konnte, was es heißt, als Christ zu leben“, erläutert Bruder Thomas Freidel von den Franziskaner-Minoriten. Er ist seit 2008 als Pilgerseelsorger zuständig für die deutschen Gruppen, die nach Assisi kommen. „Sich über die sichtbaren Dinge den unsichtbaren nähern“, lautet seine Devise, wenn er Besuchern der Basilika die vielen Gemälde im imposanten Kirchengebäude erläutert: Krippe, Kreuz, Altar – mit diesen drei Begriffen ließe sich das Christsein aus  Franziskus’ Sicht begreifen, so Freidel: Das Grab sei nicht als Endstation zu verstehen, sondern als Durchgang und Ort der Hoffnung. „Der ehemals reiche Kaufmannssohn“, erläutert Freidel, „hatte mit seiner radikalen Art das Evangelium zu leben, eine große Zahl von Menschen in seinen Bann gezogen.“ Zur von Franziskus gegründeten Gemeinschaft gehörten zu seinem Tod bereits mindestens 3000 Mitglieder. Für Franz Klement aus Forchheim ist es nicht die erste Assisi-Reise. Langweilig werde es ihm nie in der Stadt des Heiligen, dessen Name er voller Stolz trägt. Ähnlich geht es Franz Sedlmayr aus Nürnberg: Auch für ihn ist der Name Programm. Die Faszination für den großen Heiligen, die er mit vielen Gläubigen teilt, begleitet ihn schon lange, auch in seinem Alltag.